Haydauer Erinnerungen an Joachim Kohlhaas
20. Dezember 1943 - 29. September 2026
Das heutige Tagungs- und Kulturzentrum Kloster Haydau mit seinen offenen und vielfältigen Nutzungen wäre ohne Engagement und ständigem Einsatz von Joachim Kohlhaas nicht möglich gewesen. Mit großem Sachverstand in der Politik und Verwaltung, in den jeweiligen Behörden auf Kreis- und Landesebene, konnte er mit vielen Mitstreitern erreichen, dass aus einer, dem Verfall preisgegebenen alten Klosteranlage ein modernes Kulturdenkmal werden konnte.
Neuer Bürgermeister
Bereits vor seiner Zeit in Morschen war Joachim Kohlhaas nach seiner Ausbildung des kommunalen Verwaltungsdienstes und einem Studium im Bereich Kommunalrecht als Amtsmann in der Stadt Hattingen an der Ruhr an den Fachwerkhäusern und deren Unterhaltung interessiert. Diese Leidenschaft setzte er in seiner Amtszeit als Bürgermeister der Gemeinde Morschen fort. Im Jahr 1981 wurde Altmorschen und Haydau in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen. Mit finanzieller Hilfe des Landes Hessen und aus Bundesmitteln – Zonenrandförderung – konnten das Herrenhaus und die Orangerie renoviert und der Domänenhof gepflastert werden. Das Herrenhaus in der Haydau wurde Rathaus und so zu seinem neuen Amtssitz. Im April 1985 wurde mit der Gründung der Deutsche Stiftung Denkmalschutz das Kloster Haydau als schützenswertes Objekt aufgenommen. Im September des gleichen Jahres gab es zur Feier 1000 Jahre Morschen und 750 Jahre Kloster Haydau einen Aufruf Rettet das Kloster. Dieser Aufruf hatte eine große regionale und überregionale Resonanz. Joachim Kohlhaas konnte erreichen, dass bereits im November ein Bewilligungsbescheid zur Sanierung des Klosters vorlag. Bund und Land teilten sich je zu 49 % der Kosten, der Landkreis war zu 2 % und die Gemeinde Morschen war als Eigentümerin lediglich mit Hand- und Spanndiensten beteiligt. Ein kommunales Meisterstück und ein Glücksfall für die Gemeinde Morschen, welches Joachim Kohlhaas damit gelungen ist. Dann ging es zügig voran: das Staatsbauamt Bad Arolsen wurde mit der Bauleitung der Sanierung beauftragt; in 1986 erhielt die Gemeinde Morschen den ersten Hessischen Denkmalschutzpreis; Haydau war in der Öffentlichkeit stark vertreten; Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft kamen zuhauf in die Haydau und unterstützten das großartige Sanierungsprojekt.
Förderverein Kloster Haydau
1990 wurde der Förderverein Kloster Haydau e. V. und eine Unterstiftung Haydau in der Deutschen Stiftung Denkmalpflege gegründet. Hauptaufgabe war es, die Kloster- und Schlossanlage zu sanieren, zu unterhalten und hierzu die notwendige Finanzierung bereitzustellen. Prof Ludwig-Georg Braun führte den Förderverein zusammen mit Bürgermeister Joachim Kohlhaas. Eine Vielzahl von Zustifter-Veranstaltungen mit honorigen Referenten und Gästen sorgte für ein rasches Anwachsen des Stiftungskapitals. Im Jahr 1993 wurde die Sparte Kulturring mit dem Auftrag, die alten Gemäuer mit Leben zu erfüllen, gegründet. Mit Fertigstellung der ersten Räumlichkeiten starteten ungeachtet der weiteren Sanierung der Gesamtanlage die ersten Kulturveranstaltungen. Diese waren Konzerte, Lesungen und Kunstausstellungen und fanden im Westflügel, Orangerie und auf dem Dachboden der Klosterscheune statt. Ein besonderes Highlight waren 15 Sendungen des Traumtänzerfestivals des Hessischen Rundfunks in der Klosterscheune. Seit 1998 erscheint bis heute der Klosterbrief, in dem die Erfolgsgeschichte der Haydau in allen Facetten nachzulesen ist. Die Gesamtanlage Haydau wurde 2001 am Tag des offenen Denkmals der Deutschen Stiftung Denkmalschutz eingeweiht.
Stiftung Kloster Haydau
Im Jahr 2010 entstand eine eigenständige Stiftung Kloster Haydau durch Herauslösen aus der Deutschen Stiftung Denkmalpflege. Joachim Kohlhaas übernahm mit Frau Ilona Braun und Herrn Karl Kellner den Vorstand. Dieser sorgt bis heute für die Sicherung des Vermögens und der Finanzierung der vielen Aufgaben des Fördervereins. Dies gilt insbesondere für die Bauunterhaltung und den Kultur- und Tagungsbetrieb. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen konnte ein beachtliches Stiftungskapital aufgebaut werden. Dadurch wird eine nachhaltige Sicherung des Kulturdenkmals in der Haydau gewährleistet.
Klosterführungen
20. Dezember 1943 - 29. September 2026
Im Jahr 2019 kandidierte Joachim Kohlhaas nicht mehr für den Stiftungsvorstand und wurde vom Ehrenvorsitzenden Prof Ludwig Georg Braun gebührend für seine großen Verdienste geehrt. Joachim Kohlhaas engagierte sich bereits seit 2014 für die Klosterführungen und brachte eine große Anzahl von interessierten Bürgerinnen und Bürger die 800-jährige Geschichte nahe. Dies betraf nicht nur die von Haydau und Morschen, sondern auch der Landgrafschaft Hessen-Kassel, des Kurfürstentum Hessen-Kassel und der Region Kurhessen- Thüringen. Seine aktive Zeit während der Sanierung der Klosteranlage, sein Sachverstand hinsichtlich bauphysikalischer Gegebenheiten, sowie der organisatorische und finanzielle Hintergrund, machten ihn zu einem begehrten Klosterführer. Bei ihm konnten auch neue Personen, die im Förderverein und der Stiftung angefangen haben, eine gute Grundlage für den Gesamtüberblick der Haydau erfahren.
Bundesverdienstkreuz
Die Gesamtanlage von Kloster und Schloss Haydau war Joachim Kohlhaas zeitlebens eine Herzensangelegenheit. Seine unerschöpfliche Energie in der Lösung der anstehenden Aufgaben, sowie seine entschlossene Umsetzung der Entscheidungen führte zu der heutigen Kloster- und Schlossanlage mit seinen vielfältigen Nutzungsformen.
Für seinen Einsatz in Politik und Gesellschaft, sowie für sein Engagement für die Haydau wurde Joachim Kohlhaas im Jahr 2015 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Morschen haben ihm viel zu verdanken und werden ihn würdiger Erinnerung behalten.
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