Die Klosterkirche

von Pfarrer Jörn Schlede
... wurde im Jahre 1320 erbaut auf den Grundmauern des durch eine Fehde zerstörten Klosters aus dem Jahr 1235.
 
Klosterkirche01
Gemäß der Benediktinerregel lebten die Nonnen des Zisterzienserordens hier schlicht und asketisch. So war auch das Innere dieser Kirche ohne Kunstwerke und Malereien. Lediglich die Schlusssteine und die Kragsteine (unterste Steine am Kreuzgewölbe) im vorderen Bereich des Chorraumes sind mit Weinlaub verziert. Gottesdienste konnten die Nonnen nur feiern, wenn ein Abt oder ein männlicher Geistlicher im Hause war. Während der Geistliche die Messe unten im Chorraum am Altar zelebrierte, war den Frauen lediglich der Aufenthalt auf der Empore gestattet.
1517 bemüht Äbtissin Elisabeth vom Rheine das Ablaß-Institut zur Linderung der finanziellen Sorgen des Klosters. Mit einem Ablassbrief wurde der arme Sünder je nach Höhe der Summe eine entsprechende Zeit vor dem Fegefeuer bewahrt. Mit dem eingenommenen Geld wurden Kelche und Altartücher sowie die Kerzen zum ewigen Licht gekauft. Von letzterem brannten in der Kirche 5 Ampeln.

Am 24. April 1525 dringen aufständische Bauern unter Gewaltanwendung in das Kloster ein. Möglicherweise wurde dabei auch eine Steinfigur (Engel) an einem der Steinbögen zum Kloster hin abgeschlagen.
1527 wurde das Kloster Haydau im Zuge der Reformation aufgelöst. Der erste protestantische Pfarrer von Morschen hieß Martin Bengel. Martin Luther selbst war nie in Morschen gewesen. Er zog aber am 28.September 1529 von Waldkappel über Bischofferode - Spangenberg - Adelshausen an die Fulda, um am Gut Fahre überzusetzen. Er befand sich auf dem Weg nach Marburg, zu den Religionsgesprächen vor allem mit dem Schweizer Reformator Ullrich Zwingli.

 
1617 wurde Haydau Klosterkirche02das Lustschloss und Nebenresidenz des Landgrafen. In jener Zeit sind links und rechts Emporen gebaut worden, sogenannte „Bohrleuben". Im Mauerwerk lässt sich durch einen schmalen Absatz erahnen, wie weit diese Emporen in das Kirchenschiff hineinragten. Bis Anfang der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts war ein Aufgang von dem Türchen aus, wo sich heute die Kanzel befindet.
Die Emporen waren mit einer Abkürzung versehen: „V.G.G.W. 6 L z H.H.F.Z.H.G zH. D.C.N.U.S."
Diese Buchstaben bedeuten: „Von Gottes Gnaden Wilhelm VI., Landgraf zu Hessen, Fürst zu Hersfeld, Graf zu Ziegenhain, Dietz, Catzenelnbogen, Nidda und Schaumburg" Wilhelm VI. regierte 1650-1663.
 
Das Fenster im Chorraum war vermutlich Jahrhunderte lang schlichte Bleiverglasung. Als 1875 das Klostergelände als Domäne an die seit 1866 in Hessen regierende preußische Regierung ging, stiftete ein Domänenpächter namens Pestalozzi, (man spricht, er sei mit dem Pädagogen Pestalozzi verwandt) das nunmehr im Chorraum vorhandene Fenster. Eigentlich passt dieses Fenster nicht zu dem schlichten zisterzienserischen Stil.
Aber bereits die eingezogenen Emporen hatten mit der zisterzienserischen Baukunst gebrochen.
Die Ornamentik der Fenster erinnert zum Einen mit den Weinblättern an den Weinanbau durch die Zisterzienserinnen im Ort (am Frauenberg). Die Symbolik oben im Fenster stellt vermutlich die Welt dar, die unter der Herrschaft des Kreuzes gesehen wird. Beides in Verbindung ist eine Anspielung auf das Jesus Wort aus Johannes 15, 5 : „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun."
Der Chorraum nach der Renovierung 1962.

Anfang der 60er Jahre werden die seitlichen Emporen in der Kirche abgebaut und somit die Kirche annähernd in den ursprünglichen Zustand zurück versetzt. Stand die Kanzel vorher unterhalb des bunten Fensters im Chorraum, wurde diese Kanzel abgebaut und dorthin gesetzt, wo heute der Taufstein steht. Dieser war bis vor der Renovierung Bestandteil des Altars. Der Eingang wird nach hinten verlegt, der vordere Eingang wird zugemauert (siehe nächstes Foto vom alten Eingang).

1977 wurde eine neue Orgel eingeweiht für über 155000 DM. Die Orgel wurde gebaut von der Firma Noeske, Rotenburg/F.
Bei einer weiteren Renovierung im Jahr 1983 wird die Kanzel auf die Klosterseite umgesetzt. Die alte Kanzel kam in die Friedhofshalle. Die Empore erhält eine Holzbrüstung, der Bereich unterhalb der Empore wird mit einem Windfang aus Holz versehen.
Das Fenster im Chorraum wird nach einer anonymen Spende über 10.000 DM im Jahr 2003 restauriert und erhält eine Schutzverglasung.
Dank zahlreicher Spenden aus der Bevölkerung erhält der Eingangsbereich im Jahr 2003 zwei neue Kirchenfenster, gestaltet durch die Künstlerin Margarethe Keith aus Winzberg am Rhein.

Hochzeitsbild vor dem alten Eingang der Kirche aus dem Jahre 1952 (Ehepaar Schüler)

Hochzeitsbild vor dem alten Eingang der Kirche aus dem Jahre 1952 (Ehepaar Schüler)

Zugemauerter Eingang

Zugemauerter Eingang

Seit dem 13. Juli 2003 präsentiert sich die Klosterkirche mit neuen Kirchenfenstern:

Treppenaufgang

Treppenaufgang

Eingangsbereich

Eingangsbereich

Zu Ihren Entwürfen schreibt die Künstlerin Margarethe Keith: „Das Rautenmuster ist ein netzartiges Ornament, welches durch unterschiedliche Kantenlängen variiert werden kann.
In meinem Entwurf ist etwa ein Drittel des Rautenfensters verändert, tatsächlich „Netz"geworden. Die veränderte Maschengröße macht das Motiv lebendig und erinnert an Mt 13, 47: „Abermals gleicht das Himmelreich einem Netze, das ins Meer geworfen ist, womit man allerlei Gattung fangt. "

Die eingefugte Notenzeile ist das gesungene AMEN. Amen (hebr.) als Gebetsschluß heißt so viel wie „es geschehe" oder „wahrhaftig". Amen sagen heißt also, seine Zustimmung geben. Das, von innen gesehen, rechte Fenster wird beim Betreten der Kirche vermutlich nur als Lichtquelle, also indirekt, wahrgenommen. Beim Verlassen des Kirchenraums ist es dagegen zwangsläufig im Blickfeld und wird "mitgenommen". Insofern ist das dreifache Amen an dieser Stelle sinnvoll platziert."